Was hat sich für TrainerInnen durch COVID19 verändert?

Das fragte Sammet& Wolf bereits im Sommer 2020 und startet nun die Fortsetzung der Webparade. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich teilnehmen und noch einmal – 7 Monate später – das Brennglas drauf werfen. Leifragen sind:

  1. Was ist jetzt schon zur neuen Routine geworden?

  2. Was möchtest du nicht mehr missen?

  3. Was waren/ sind hilfreiche Ressourcen?

Meine Erfahrungen

Ich habe ja ganz frich zu Beginn der Pandemie mit der Selbständigkeit gestartet und bin aktiv in die Trainer- und Coach-Rolle gegangen. Da ich aber seit 13 Jahren Trainings konzipiere und auch Blended Learning Formate seit 2007 entwickele, ist das Themenfeld für mich nicht neu. Neu ist die Rolle des rein digitalen Trainers und die Beschränkung des Aktions-Raumes auf ein kleines wenige Zentimeter-großes Bildschirm-Rechteck. Aber hier waren wir alle gefordert Training neu zu denken, auszuprobieren, zu experimentieren und auch wieder zu verwerfen. Gleichzeitig habe ich meine Methodensammlung und (digitale) Tool-Sammlung um ein vielfaches erweitert.

Was ist jetzt schon zur neuen Routine geworden?

Der Wegfall des Reisens ist ein Segen für mich und meinen Wunsch nach Vereinbarkeit. Der Start in den (Trainings-, Beratungs- und Coaching)-Tag beginnt bei mir mit dem Betreten meines Arbeitszimmers, nicht mehr mit dem Fahren ins Office. Ich genieße den kurzen Vorlauf und koste es aus meinem Biorythmus mehr gerecht zu werden.

Das Hochfahren des Laptops läutet den Arbeitsbeginn ein. Die Mittagspause gestalte ich oft mit der Familie. In Zeiten von #remoteschooling bin ich nicht mehr allein im Homeoffice. Neue Routinen und Arbeitszeiten haben sich eingeschlichen. Texte und Konzepte produziere ich oft abends und nachts, wenn es ruhig ist im Hintergrund und ich mich lange Zeit am Stück konzentrieren kann.

In der Trainingskonzeption und -Durchführung habe ich mich komplett dem neuen virtuellen Format angepasst. Häppchen oder auch Lernnuggets sind das Stichwort. Meine Trainings biete ich meist in 90-120 Minuten-Slots an. Länger fällt es den meisten schwer Inhalte aufzunehmen und aktiv teilzunehmen. Deshalb biete ich, wenn es der Rahmen zulässt längerfristige Begleitungen über mehrere Wochen an. Gleichzeitig wird so der Lerntransfer erhöht. Bei ganztägigen Workshops plane ich mehrere kleine Pausen, aktivierende Elemente und eine lange Mittagspause ein.

Zur neuen Routine gehört die Arbeit mit Microsoft Teams, Zoom und digitalen Whiteboards wie Conceptboard oder Miro. Ich genieße es die Boards vorzubereiten oder nach dem Workshop die Ergebnisse direkt live zu sehen. Da ich noch nie ein Fan von Flipcharts war und zudem nicht gut zeichnen kann, bin ich mehr als glücklich über die digitalen Möglichkeiten von digitalen Whiteboards, Games und anderen digitalen Tools.

Was möchtest du nicht mehr missen?

Eine neue hochauflösende Webcam ist bei mir eingezogen sowie ein Ringlicht für eine gute Beleuchung. Und da ich auch Podcasterin bin, habe ich mir ein Mikrofon-Arm für mein Mikro zugelegt, den ich für Audio-Aufnahmen verwende. Ansonsten schwöre ich auf mein Bluetooth-Headset mit Rauschunterdrückung, dass mir maximale Bewegungsfreiheit ermöglicht. Und oben genannte digitale Arbeits-Tools, die das TrainerInnen-Dasein erleichtern. Auf was außerdem ich nicht mehr verzichten möchte ist:

  • die Zeitersparnis durch remote-work und Online-Trainings
  • die soziale Nähe, die entsteht, wenn der persönliche Lebensraum sichtbar wird und Familie sich mit der Arbeit verbindet (ich hatte schon viele Kinder als Co-TeilnehmerInnen dabei und das war immer sehr toll)
  • die Zusammenarbeit und Co-Kreation in der Traings-Konzeption mit Akademien oder Kunden. Remote und in der Cloud geht das in Echtzeit und auf Augenhöhe. Das Ergebnis ist viel zufriedenstellender als ein fertiges Konzept von der Stange.
  • Das Verzichten auf Post-Its und Meta-Plan-Papiere. Ich kann viel Papiermüll sparen.
  • Walk-and-Talk Gespräche für Networking oder Coaching-Sessions. In der Natur spazieren gehen ist mein Ausgleich zu all der Bildschirmarbeit geworden.

Was waren/ sind hilfreiche Ressourcen?

Am meisten hilft mir in diesen Zeiten meine Erfahrung und mein Fachwissen und jahrelange Erfahrung zum digitalen Lernen. Im Herbst 2020 veröffentlichte ich einen Blogartikel zum Lerndesign von Blended Learning oder hybriden Lernsettings auf dem Blog der Zukunftsdidaktik. Die Übersicht zum 5 Es Instructional Model nach Catlin Tucker kann man sich auch HIER herunter laden.

Für die Erwachsenenbildung habe ich übernommen:

  • die Abwechslung von Input- und Anwendungsphasen
  • einen Tag Pause um Gelerntes zu verarbeiten und “sacken” zu lassen
  • In Workshops Check-Ins und Check-Outs zu nutzen um Interaktion und Kennenlernen der TeilnehmerInnen zu fördern
  • agile, digitale Spiele oder Liberating Structures einzusetzen um Interaktion und Dynamik zu erzeugen
  • Breakout-Rooms für die Arbeit in Kleingruppen
  • einen Co-Moderator zu benennen, der hilft z.b. Chat-Fragen aufzugreifen
  • Retrospektiven nach kurzer Zeit um zurück zublicken, zu reflektieren und die Anwendung des Gelernten in der Praxis mit den anderen zu besprechen

Das Konzept für die Gestaltung von Blended Learning und hybriden Lerneinheiten werde ich auch #postcovid weiter übernehmen.

Besonders herausfordernd ist dabei die Einbindung von online-TeilnehmerInnen in einem Hybrid-Workshop. Wenn also z.B. die TeilnehmerInnen vor Ort sind und die/der TrainerIn digital zugeschaltet. Oder ein Teil der TeilnehmerInnen digital zugeschaltet und ein Teil vor Ort ist. Puh, da kommt man ganz schön ins Schwitzen um alle Fäden in der Hand zu behalten. Auch hier ist ein Co-Moderator hilfreich.

Fazit nach einem Jahr Online-Training

Ich habe mich schon immer wohl gefühlt in der Rolle als “Lernbegleiterin” und “Lerndesignerin”. Diese Aufgabe sehe ich weiterhin als zentral für New Learning an.

Das Zusammenkommen in Präsenz wird ein wertvoller Bonus sein und vor allem der Vernetzung, dem persönlichen Austausch und dem Zwischenmenschlichen dienen. Fachwissen und Faktenwissen werde ich auch zukünftig digital – z.B. in Video-Kursen – anbieten. Einen noch stärkeren Fokus werde ich auf das Lerndesign legen. Hier entwickelt sich auch die Plattform-Landschaft weiter. Mit Microsoft Viva Learning z.B. sehe ich eine tolle Ergänzung zu Teams. Als Microsoft Education Trainerin werde ich das weiter verfolgen und für die Gestaltung meiner Lernangebote nutzen.

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